Fairer Handel

Trade not Aid

„Alternativer Handel versucht innerhalb des bestehenden ungerechten, unsozialen und menschen-verachtenden Wirtschaftssystems beispielhaft zu zeigen, wie die ökonomischen Rahmenbeding-ungen verändert werden sollten, um den Menschen in den sogenannten Entwicklungsländern positive Perspektiven zu eröffnen.“

[Aus dem Kriterienkatalog des Alternativen Handels des AG3WL (heute: Weltladendachverband).]

Wenn der Begriff “Globalisierung” fällt, dann ist die Rede von der wachsenden internationalen Verflechtung, z.B. im Bereich der Arbeits- oder Finanzmärkte. Dieser Prozess hat enorme Auswirkungen auf einen ganz bestimmten Sektor: den Welthandel. Doch wie sehen diese aus, und wer stellt hierfür die Regeln auf?

Die Spielregeln des Fairen Handels

Die Welthandelsordnung besteht heute im wesentlichen aus sogenannten Liberalisierungsabkommen. Diese regeln den Abbau der Schranken (z.B. Zölle oder Einfuhrbeschränkungen) für den weltweiten Handel mit Gütern und Dienstleistungen. Abgeschlossen wurden sie von den Mitgliedern der Welthandelsorganisation WTO, der heute die meisten Länder angehören.
Anspruch auf Fairness wird auch in der WTO erhoben: Die Abkommen sollen sicherstellen, daß alle Länder gleichermaßen vom Welthandel profitieren und sich den gleichen Spielregeln unterwerfen, z.B. gilt hier das Prinzip: ein Land – eine Stimme. So soll Chancengleichheit sichergestellt werden. Das vorgegebene Ziel: Der freie Handel soll den Wohlstand weltweit vergrößern.

Soweit zur Theorie – tatsächlich geht es weitaus weniger demokratisch zu. Die realen Machtverhältnisse, vor allem das übergewicht der USA und der EU, spiegeln sich darin wider, welche Interessen letzlich durchgesetzt werden. So wird z.B. mit zweierlei Maß gemessen: Während die Länder des Südens gezwungen werden, ihre Märkte zu öffnen, behält sich die EU vor, ihren Markt zum Schutz der eigenen Produkte abzuschotten oder sie durch Subventionen konkurrenzlos zu verbilligen.

Zudem entscheiden über die ähnlichkeit der Güter – und damit ihre Gleichbehandlung – nur die Produkteigenschaften und nicht der Herstellungsprozess selbst. Das Resultat: Da der Weg, auf dem die Produkte hergestellt worden sind, keine Rolle spielt, sind Sozial- oder ökolabels in der WTO weiterhin stark umstritten. Somit wird z.B. auch nicht unterschieden, ob ein Produkt aus Kinderarbeit stammt oder nicht!

Der Ansatz des Fairen Handels

Der Faire Handel beruft sich ebenfalls auf das Prinzip der Chancengleichheit, allerdings da, wo diese real und nicht nur formell gegeben ist. Die Voraussetztungen in Nord und Süd, z.B. im Bereich der Landwirtschaft, könnten unterschiedlicher nicht sein. Das bedeutet aber auch, daß freier Handel – zudem nicht immer so “frei”, wie die Abschottung der EU-Märkte zeigt – nicht genug ist. Damit Schwächere die gleichen Chancen haben, müssen die Regeln so beschaffen sein, daß sie eben diese Schwäche auffangen. Im Klartext heißt das, manche “gleicher” zu behandeln als andere: So spielt im Fairen Handel die Gruppe der “benachteiligten Produzenten”, z.B. Kleinbauern, die generell einen schlechteren Zugang zum Weltmarkt haben, die tragende Rolle.

Die Ziele des Fairen Handels lassen sich in wenigen Stichworten umreißen. Dies sind:

Die einen sehen ihn als verallgemeinerbares Modell, nach dem alle Handelsbeziehungen mit der Dritten Welt gestaltet werden sollten, die anderen, bescheidener, als Symbol, das auf die Ungerechtigkeiten im Welthandel hinweist. Auf jeden Fall erhebt Fairer Handel den Anspruch, eine Alternative zu konventionellen Handelsbeziehungen zu sein. Dies soll durch eine Reihe von Kriterien sichergestellt werden, dem sogenannten “Zwei-Standbeine-Modell”, das sowohl die Produzenten, als auch die Konsumenten im Blick behält:

Auf der Seite der ProduzentInnen:

Auf der Seite der KonsumentInnen:

Anfang der 70-er Jahre entstanden, ist der Faire Handel aus der Bundesrepublik nicht mehr wegzudenken – auch als einer der wenigen Orte, wo entwicklungspolitische Diskussionen überhaupt noch stattfinden.


Als Quelle diente unter anderem die 2000 erschienene Studie von Misereor, Brot für die Welt und der Friedrich-Ebert-Stiftung: “Entwicklungspolitische Wirkungen des Fairen Handels”.


Zuletzt bearbeitet: 04.03.2009
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